Fazit zu Russland
Fast vier Wochen waren wir in Russland unterwegs und immer wieder überrascht wie unterschiedlich jede Gegend für sich ist. Und das obwohl wir nur einen ganz kleinen Teil dieses riesigen Landes kennenlernen konnten. Unsere Erfahrungen will ich hier mit euch teilen.
- Wann: 16.04.2026 Ausreise: 13.05.2026
- Tour: Wladikawkas - Dargaws - Yessentuki - Kislovodsk - Stavropol - Elista - Wolgograd -Wolga Delta - Astrachan
- Einreise: wir sind von Georgien aus eingereist und alles lief total entspannt. Das einzige was lange gedauert hat, war das Warten im Niemandsland. Alle Details zur Einreise findest du hier: Artikel Einreise Russland
- Internet: Wir hatten uns vorab eine eSIM von BNE besorgt. Die ersten 24 Stunden war sie zwar gesperrt, aber danach lief alles einwandfrei. Wir brauchten keinen VPN und konnten Instagram, YouTube und Co. problemlos nutzen. Das änderte sich erst, als wir in die Region Kalmückien kamen: Plötzlich hieß es wieder, die Karte sei für 24 Stunden gesperrt. Nach einem Tag ging es zwar wieder, aber bis Wolgograd hatten wir immer wieder Schwierigkeiten. In der Stadt selbst ging dann gar nichts mehr. Danach gab es zwar kurz wieder Empfang, doch das war es dann endgültig. Man erzählte uns, dass rund um den 9. Mai, den Tag des Sieges, alles gedrosselt wurde. Ob es nun wirklich daran lag, an unserer eSIM oder einfach am Oblast Astrachan, wissen wir bis heute nicht. Auch in Restaurants oder Cafés konnten wir uns auf das WLAN kaum verlassen, da oft so gut wie nichts lud. Wenn ihr also selbst plant, Russland zu bereisen, macht euch darauf gefasst, immer mal wieder ein paar Tage komplett ohne Internet auskommen zu müssen.
- Geld: Karten funktionieren in Russland nicht. Wir hatten Euro und Dollar dabei und haben vorab ein paar Rubel getauscht. Den besten Kurs hatten wir tatsächlich noch in Georgien. Sonst hatten wir nie Probleme in einer Bank unsere Euros gegen Rubel einzutauschen.
- Checkpoints:: Auf unserer Route durch Russland sind wir an einigen Kontrollpunkten vorbeigekommen. Wir haben nachgezählt: Fast zwanzig Mal wurden wir rausgewunken. Meistens wollten die Beamten Ausweis, Führerschein und die Fahrzeugpapiere sehen, manchmal auch den Versicherungsnachweis. Zweimal wollte ein Beamter sogar einen Blick in unseren Simba werfen. Aber das lief immer total entspannt ab und wir konnten nach einem kurzen Gespräch schnell wieder weiterfahren. Wir hatten vorher oft gehört, dass man an solchen Kontrollen hin und wieder mit Korruption zu tun bekommt – diese Erfahrung haben wir absolut nicht gemacht.
- Stellplätze: Stellplätze in Russland zu finden, fanden wir überraschend einfach. Gerade in den ländlichen Gegenden haben wir meist auf den ersten Versuch einen Platz entdeckt, der nicht nur ruhig und abgelegen war, sondern auch noch richtig schön. Auch ein Lagerfeuer war fast immer möglich. Holz gab es im Überfluss, und da die Menschen hier selbst gerne am Feuer sitzen oder Schaschlik grillen, hatte auch niemand etwas dagegen, dass wir unser eigenes Feuer entfachten. Wir wurden nie weggeschickt und haben uns zu keinem Zeitpunkt unwohl gefühlt. Selbst in den Städten haben wir immer kostenlose Plätze gefunden, auf denen wir auch mit unserem LKW problemlos stehen konnten.
- Menschen:Die Menschen in Russland sind uns anfangs eher zurückhaltend, aber stets freundlich begegnet. Wenn wir ins Gespräch kamen, spürten wir ein kurzes, ehrliches Interesse an uns und unserer Reise. Sie haben uns immer gerne weitergeholfen, waren dann aber meist genauso schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht sind. Wir hatten den Eindruck, dass sich die Menschen wirklich über Touristen gefreut haben; es war ihnen wichtig, dass wir uns wohlfühlen und dass es uns gut geht. Trotzdem blieb der Kontakt oft recht kurz. Es ist eine faszinierende Mischung: Die Menschen wirken nach außen hin manchmal etwas distanziert oder gar streng, aber hinter dieser Fassade verbirgt sich oft eine enorme Hilfsbereitschaft und eine tiefe, fast melancholische Herzlichkeit. Wenn das Eis erst einmal gebrochen ist, spürt man, wie gastfreundlich sie wirklich sind, auch wenn sie nicht den Drang haben, den Kontakt unnötig in die Länge zu ziehen. Man muss sie nicht ständig um sich haben, um ihre Zuneigung zu spüren – ihre Art ist einfach unkompliziert, direkt und auf eine bodenständige Weise sehr angenehm.
- Essen: Kulinarisch hat Russland in jeder Region wieder ganz eigene Spezialitäten zu bieten. In Ossetien sind zum Beispiel die Ossetischen Pies – oder Piroggi – bekannt. Das sind Teigfladen, etwa so groß wie eine Pizza, die wahlweise mit Käse, Kartoffeln, Mangold oder Fleisch gefüllt sind. Wirklich lecker und absolut zu empfehlen! Auch Schaschlik wird in Russland an jeder Ecke gegrillt und ist einfach köstlich. Auf den Märkten findet man außerdem unzählige Sorten von eingelegtem Gemüse, die ebenfalls richtig gut schmecken. Und dann ist da natürlich der Borschtsch, das Nationalgericht, das aber irgendwie immer ein bisschen anders schmeckt, da wohl jeder Koch seine ganz eigene Rezeptur hat. Wir waren auch oft in Kantinen essen, wo man richtig gute Hausmannskost bekommt. Ansonsten fanden wir es manchmal gar nicht so einfach, klassische, traditionelle russische Restaurants zu finden, da die Auswahl oft in andere Richtungen geht.
Und hat es uns nun gefallen? Ja, definitiv. Die vier Wochen waren unheimlich abwechslungsreich, die Natur ist wunderschön und wir konnten entspannt und problemlos durch das Land reisen. Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen, um uns noch andere Ecken anzuschauen. Was uns allerdings ein wenig gefehlt hat, ist diese gewisse Leichtigkeit, die wir von anderen Reisen kennen. In vielen Ländern sind wir schnell mitten unter den Einheimischen, es wird ausgelassen gefeiert und viel gelacht – das hatten wir in Russland so nicht. Wir hatten oft das Gefühl, dass eine gewisse Schwere über dem Land liegt, die die Menschen in sich tragen. Ob die momentane Situation etwas damit zu tun hat, können wir nicht sagen, und letztlich ist das alles nur unsere ganz persönliche Einschätzung, die für jemand anderen schon wieder komplett anders aussehen kann. Für uns bleibt Russland eine Reise wert, die uns mit ihrer Weite und den vielen stillen Momenten nachhaltig beeindruckt hat.