Verschiffung Kasachstan - Aserbaidschan

Wir waren insgesamt fünf Monate in Zentralasien. Im Hinweg sind wir über Russland, hatten jedoch nur ein Visum für die einmalige Einreise. Zurück wollten wir uns offen lassen. Als irgendwann klar war, dass wir dieses Jahr noch zurück wollen, haben wir uns mal die Möglichkeiten angeschaut:

  1. wieder über Russland und ein Transitvisum beantragen
  2. mit der Fähre über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan
  3. über Turkmenistan oder Afghanistan und den Iran

Unsere Wahl fiel schnell auf Option 2. Warum? Einfach weil wir es lieben neue Wege zu gehen und weil uns Option 3 zu anstrengend erschien. Wir hatten schnell herausgefunden, dass die Landesgrenzen zur Einreise nach Aserbaidschan dicht sind, die Ausreise auf dem Landweg jedoch problemlos möglich ist. Die Einreise funktioniert aber auf dem Luftweg. Also fährt Simba mit der Fähre und wir reisen mit dem Flieger. So der Plan.

Als wir dann am Hafen in Kuruk (90 km südlich von Aktau) ankamen und uns durchfragten, kam schnell die Ernüchterung. So einfach wie wir es uns vorgestellt hatten wird es nicht. Im Herbst treten oft starke Stürme auf, die den Schiffsverkehr dann lahmlegen. Und natürlich kamen wir zu einer Zeit in der schon tagelang nichts mehr ging. Entsprechend lang war die Schlange an LKWs. Man sagte uns, dass man uns keinen Termin nennen könnte. Irgendwas zwischen einer Woche und 18 Tage könnte es dauern. Außerdem sollte es mehr kosten, da wir nur einen Platz im Schiff und nicht an Deck haben könnten. Mit rund 1200 USD sollten wir rechnen. Was für eine Ernüchterung.

Die Uhr tickte unerbittlich gegen uns, denn unser Visum für Kasachstan war nur noch exakt neun Tage gültig. Eine Verlängerung war ausgeschlossen, da wir nach Ablauf dieser Frist das maximale Limit von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen restlos ausgeschöpft hatten. In dieser Zwickmühle recherchierten wir fieberhaft alles über das russische Transitvisum: Wo bekommen wir es kurzfristig her, was kostet es und wie lange dauert das Prozedere? Rasch wurde klar, dass wir persönlich bei einem russischen Konsulat vorsprechen mussten. Die nächstgelegene Vertretung befand sich in Uralsk, ganz im Norden an der Grenze zu Sibirien, sagenhafte 1.500 Kilometer entfernt. Dieser gewaltige Landweg dorthin und wieder zurück erschien uns in der verbleibenden Zeit wie ein Albtraum. Es wäre zwar theoretisch machbar gewesen, doch bei unserer gemütlichen Reisegeschwindigkeit von durchschnittlich 70 km/h auf passablen Straßen war die Vorstellung schlicht horror, schließlich hatten wir gerade erst 3.000 Kilometer quer durch Kasachstan hinter uns gebracht.

Kurzerhand fassten wir einen Entschluss. Von Aktau nach Uralsk gab es eine Flugverbindung, und wie durch ein Wunder startete die nächste Maschine bereits in drei Stunden. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch eine volle Stunde Fahrtzeit vor uns. Während die Landschaft an uns vorbeizog, buchte ich die Tickets und erledigte direkt den Online-Check-in. So spontan hatte ich in meinem ganzen Leben noch keinen Flug gebucht.

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Am nächsten Tag marschierten wir mit sämtlichen Dokumenten, Kopien und Antragsformularen auf die Botschaft. Wir waren pünktlich dort, doch aus irgendeinem Grund lies man uns warten. Drei Stunden später durften wir dann endlich ins Büro des zuständigen Beamten. Nur um am Ende mitgeteilt zu bekommen: ein Transitvisum für Georgien dauert zehn volle Arbeitstage, egal wie wir es drehen und wenden.

Also verließen wir das Konsulat niedergeschlagen und unverrichteter Dinge. Wir gingen in den nächsten Pub, bestellten zwei Bier und sondierten unsere Lage neu. Was blieb uns an Möglichkeiten nun übrig? Wir könnten Simba irgendwo in Kasachstan parken, denn er durfte noch volle elf Monate bleiben. Selbst das Land verlassen und uns irgendwann um das Visum kümmern um ihn zu holen. Oder wir schaffen es doch irgendwie ihn zu verschiffen. Denn irgendwie war uns bei dem Gedanken unser Fahrzeug zurückzulassen nicht so ganz wohl. Denn das würde ja auch einige Hotelübernachtungen mit sich bringen.

Ich fand nach weiterer Recherche die Nummer eines Kasachen, der einem beim Verschiffen behilflich sein konnte und schrieb ihn direkt an. Er war sofort bereit uns zu helfen. Also buchten wir uns unseren Rückflug für den nächsten Tag und fuhren wieder an den Hafen um uns dort mit Kuanyshbek zu treffen. Er organisierte alles für uns und buchte uns ein Ticket (890 USD). Und dann standen wir auf Hafenparkplatz und warteten. Doch das Wetter war nicht auf unserer Seite, die Stürme nahmen zu und die Tage schwanden dahin.

Am letzten Tag indem wir in Kasachstan bleiben durften, übergaben wir Kuanyshbek die Schlüssel und die Papiere für Simba, er fuhr uns an den Flughafen und versprach uns, dass er sich um alles kümmert und unseren Truck sicher auf der Fähre verladen wird.

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Fast eine Woche hatten wir dann noch Zeit in Baku bevor endlich die erlösende Nachricht kam: Simba ist auf dem Schiff verladen. Wir bekamen den Namen des Schiffs und konnten so Live mitverfolgen wo es gerade war. Als es endlich in den Hafen einlief, buchten wir uns ein Taxi und fuhren voller Vorfreude hin. Hier mussten wir dann aber nochmal rund 240 USD bezahlen, da wohl eine besondere Rampe gebraucht wurde um Simba abzuladen. Im Hafen selbst war es dann chaotisch und alles hat ewig gedauert. Doch nach insgesamt sechs Stunden konnten wir endlich mit Simba vom Gelände rollen.

Zusammenfassung: Worauf es bei der Kaspischen Überfahrt ankommt

Falls ihr selbst euer Fahrzeug zwischen Kasachstan und Aserbaidschan über das Kaspische Meer verschiffen wollt, lasst euch nicht entmutigen. Die Logistik wirkt im ersten Moment unüberschaubar, ist mit viel Geduld aber absolut machbar.

Wer nicht auf eigene Faust durch den Hafendschungel navigieren möchte, findet in Kuanyshbek eine sehr gute Unterstützung vor Ort. Ihr erreicht ihn direkt per WhatsApp unter +7 (777) 501-08-87. Er kennt die Abläufe vor Ort genau, hilft bei Zeitdruck und kümmert sich um alles. Wir konnten ihn immer erreichen und er hat uns ständig auf dem Laufenden gehalten.

Solltet ihr das Projekt lieber eigenständig angehen wollen, fahrt ihr am besten direkt an das Hafenterminal in Kuryk. Dort wird euer Fahrzeug vermessen und dann das Ticket ausgestellt. Anschließend heißt es schlichtweg abwarten, bis euer Schiff zugewiesen wird und die Auffahrt freigegeben ist. Auch im Zielhafen Alat nahe Baku kommt man auf eigene Faust gut zurecht. Für das Prozedere braucht man Geduld und noch ein paar Dollar. Denn hier zahlt man eine Hafengebühr von 40 USD und, wie in unserem Fall, eventuell noch weitere Zusatzkosten. Unterm Strich ist die Verschiffung unkompliziert.

Falls ihr keinen Truck, sondern ein kleineres Fahrzeug habt, habt ihr sogar gute Chancen irgendwo dazwischen geschoben zu werden und dann dauert der komplette Ablauf nur zwei bis drei Tage. Oder ihr habt Glück und das Wetter ist besser als bei uns, auch dann geht es viel zügiger.

Fazit - würden wir es wieder tun?

Hat sich die Verschiffung über das Kaspische Meer für uns rückblickend gelohnt? Finanziell gesehen: Auf gar keinen Fall! Zwar haben wir uns einige Kilometer gespart, doch die unvorhergesehenen Zusatzkosten am Hafen haben unser Budget weitaus stärker strapaziert als gedacht.

Dennoch möchten wir die Erfahrung keineswegs missen. Es war ein Abenteuer, das uns unvergessliche Erinnerungen beschert hat. Ein riesiger Pluspunkt war die gewonnene Zeit in Baku: Wir konnten die faszinierende Hauptstadt Aserbaidschans intensiv erkunden. Und als kleines Trostpflaster für die Reisekasse durften wir in Aserbaidschan noch einmal unverschämt günstig volltanken – Diesel für sagenhafte 0,58 Euro pro Liter!

Unser ehrliches Resümee: Mit einem kleineren Reisefahrzeug ist die Route absolut unkompliziert, überschaubar und uneingeschränkt zu empfehlen. Wenn man allerdings mit einem großen Expeditionstruck wie Simba unterwegs ist, sieht es etwas anders aus. Für das nächste Mal würden wir schlichtweg vorausschauender planen: Wir würden uns vorab ein Multi-Entry-Visum für Russland organisieren und die Rückreise entspannt auf dem Landweg antreten.

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