Baku - praktische Tipps

Baku hat uns ab dem ersten Tag total begeistert, überrascht und fasziniert: Eine historische Altstadt mit verwinkelten Gassen und schmucken Häusern, umrahmt von einer alten Stadtmauer. Direkt daneben: extrem moderne Architektur und überall aufwendig restaurierte Prachtfassaden. Und schließlich ein ewig langer, breiter Boulevard entlang des Kaspischen Meeres – alles wunderbar grün und voller schön angelegter Blumenbeete. In „Little Venice“ kann man sich sogar von Gondolieri auf kleinen Booten durch künstlich angelegte Wasserstraßen fahren lassen.

Um einen ersten Überblick zu bekommen, haben wir direkt am Anfang eine Stadtführung mit anschließender Weinverkostung gemacht. So hatten wir auf Anhieb die wichtigsten Fakten und die schönsten Plätze parat. Unser Guide Fuad war dabei ein absoluter Glücksgriff: Als Einheimischer kennt er Baku wie seine Westentasche, ist extrem herzlich und spricht gut Englisch. Er hat uns viel zur Stadt erzählt und eine wunderbare Tour mit uns gemacht. Er stellt auf Wunsch auch komplett individuelle Touren (nicht nur für die Hauptstadt sondern für ganz Aserbaidschan) zusammen. Wenn ihr Baku oder das Land mit ihm entdecken wollt, könnt ihr ihn ganz unkompliziert direkt per WhatsApp kontaktieren: Fuad: +994558474420

Ein absolutes Highlight der Tour war der Aussichtspunkt nahe den berühmten Flame Towers, der uns komplett den Atem geraubt hat: Pünktlich zum Sonnenuntergang standen wir oben und konnten beobachten, wie nach und nach die Lichter der Stadt angingen. Was für ein Ausblick!

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Auch die anschließende Weinverkostung war extrem spannend. Oder habt ihr zuvor schon einmal einen reinen Granatapfelwein getrunken, der nicht einfach nur pappsüß war? Oder gewusst, dass es weltweit über 600 verschiedene Granatapfelsorten gibt?

Nun zu unseren praktischen Tipps mit Unterkünften, Restaurant-Empfehlungen, Sehenswürdigkeiten und ehrlichen Kosten-Eindrücken.

Hotels

Die erste Nacht haben wir mitten in der Altstadt im Hotel Pera Baku verbracht. Das Zimmer war groß und sauber, die Lage perfekt in der Altstadt und dennoch recht ruhig. Das Frühstück war richtig lecker und vielfältig. Die Nacht im Doppelzimmer hat rund 50 Euro gekostet inklusive Frühstück. Preis- Leistung war gut, man darf aber keinen Luxus erwarten.

Danach waren wir außerhalb der Altstadt im Renaissance Boutique Hotel (bei booking als BS Studios gelistet). Hier hat uns die Nacht mit Frühstück 60 Euro gekostet. Die Zimmer und vor allem das Bad waren schöner, das Frühstück dagegen viel spartanischer. Hier war es auch lauter und hellhöriger als in dem Hotel in der Altstadt.

Zum Schluss wollten wir noch etwas günstigeres ausprobieren und waren im Zentrum im Hotel Zimmer. Das Zimmer war einfach, klein aber sauber und wir hatten sogar einen Balkon. Frühstück hatten wir diesmal nicht dabei und pro Nacht im Doppelzimmer rund 35 Euro bezahlt. Perfektes Preis- Leistungsverhältnis und top Lage.

Restaurants & Cafés

In Baku sollte man sich auf keinen Fall ein typisches aserbaidschanisches Frühstück entgehen lassen. Man bekommt Schälchen mit Honig, Marmelade, Frischkäse, Butter, Käse, Wurst und Oliven. Dazu gibt es verschiedene Brote, Pfannkuchen und French Toast. Und dann oft noch warme Eierspeisen wie das landestypische Kükü - ein Omelett mit vielen verschiedenen Kräutern. Oder Yumurta Pomidor - Rührei mit Tomaten. Wir hatten hier gefrühstückt: Terrace 145 mit tollem Blick über die Altstadt und auf das Kaspische Meer. Ein weiteres tolles Frühstückslokal in der Altstadt ist das Restaurant Old Garden hier wird sogar das Brot frisch gemacht.

Das beste Restaurant zum Abendessen das wir besucht haben war das Qala Divari. Vor allem der Tomatensalat mit Granatapfel und Kirschen war hier der beste den wir hatten - und wir hatten einige. Im Firuze haben wir ebenfalls gut gegessen und es gab Live Musik. Für ein Abendessen für zwei Personen inklusive ein oder zwei Bier haben wir im Schnitt 45 Euro bezahlt.

Das perfekte Café zum Arbeiten war für uns das Coffee Moffie . Viel Platz, überall Steckdosen, gute Auswahl und man kann ungestört den ganzen Tag dort arbeiten wenn man möchte. Auch die Bars haben wir natürlich nicht ausgelassen. Hier fanden wir jedoch nichts richtig Gutes. Uns fehlte überall die Stimmung und wir können daher keine besondere Bar empfehlen.

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Sehenswürdigkeiten

Baku besitzt eine wunderschöne, historische Altstadt. Hier kann man sich einfach ohne festen Plan durch die engen Gassen treiben lassen, sich bewusst verlaufen und plötzlich wieder staunend vor einer neuen, imposanten Kulisse stehen. Auch das kleine, kuriose Museum für Miniaturbücher ist einen kurzen Stopp wert. Schlendert man weiter Richtung Meer, gelangt man auf den breiten, grünen Boulevard. Er führt vorbei an „Little Venice“ und dem auffälligen Teppichmuseum bis hin zur Talstation der Zahnradbahn. Für umgerechnet etwa 50 Cent bringt sie euch bequem den Berg hinauf. Oben angekommen steht ihr direkt vor dem modernen Wahrzeichen der Stadt: den spektakulären Flame Towers. Geht man von dort aus in entgegengesetzter Richtung durch den Highland Park, genießt man eine gigantische Aussicht über die gesamte Bucht.
Unser Tipp: Kommt Kurz vor Sonnenuntergang hierher! Zuzusehen, wie langsam das Tageslicht schwindet und die Lichter der Metropole angehen, ist magisch.

Auch die Fußgängerzonen rund um den Fountains Square sind extrem lebendig. Wunderschöne Architektur, gepflegte Grünanlagen, unzählige Restaurants, Cafés, Bars und Shoppingmöglichkeiten prägen das Bild. Das gilt ganz besonders für die berühmte Nizami-Straße mit ihren prächtigen Fassaden. Etwas weiter außerhalb, aber dank der günstigen Metro problemlos erreichbar, liegt das Heydar Aliyev Zentrum. Die geschwungene, schneeweiße Architektur ist ein absolutes Meisterwerk der modernen Baukunst. Allein der Anblick von außen war für uns eines der visuellen Highlights der gesamten Reise – drinnen waren wir nicht.

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Ist Baku nun ein teures oder günstiges Reiseziel?

So pauschal lässt sich das nicht beantworten. In Baku kann man einen richtig guten Kaffee für 1,50 Euro trinken – oder eben auch für 4,50 Euro. Das landestypische Qutab (ein gefülltes Fladenbrot) gibt es im einen Lokal für 1,50 Euro, im nächsten zahlt man schnell 4,00 Euro. Auch wenn die Preise in Restaurants auf den ersten Blick harmlos wirken, überrascht am Ende oft eine saftige Rechnung: Steuern und Servicegebühren sind häufig nicht im Speisekartenpreis enthalten. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen.
Wir hatten außerdem das Gefühl, dass gelegentlich bewusst versucht wird, Touristen abzuzocken. Unsere bisher teuerste Kugel Eis haben wir jedenfalls für sagenhafte 5,00 Euro mitten in Baku gegessen. Auf der anderen Seite bekommt man ein gutes, sauberes Doppelzimmer im Hotel schon für 35 bis 60 Euro pro Nacht.
Baku kann also durchaus günstig sein – vorausgesetzt, man schaut genau hin. Wer unbedacht zugreift, zahlt schnell sehr viel Geld.

Baku genauer betrachtet: Öl-Gigant, Reichtum & Scheinwelt

Was viele nicht wissen: Baku hat eine faszinierende und prägende Geschichte, wenn es um Energie geht. Bereits 1846 wurde in Baku die weltweit erste industrielle Ölbohrung durchgeführt. Im Jahr 1901 stammten sagenhafte 50 % der weltweiten Ölförderung aus dieser Region – damals knapp 11 Millionen Tonnen pro Jahr! Die kleine Region hat zu der Zeit 26 % mehr Öl gefördert als die gesamte USA. Baku gehörte damals zu den reichsten Städten der Welt.

Heute fördert Aserbaidschan zwar mit rund 27,7 Millionen Tonnen pro Jahr mehr Öl als je zuvor (ergänzt durch gigantische Mengen an Erdgas), durch den weltweiten Boom liegt der globale Anteil der lokalen Ölförderung jedoch nur noch bei etwa 0,5 %. Der Reichtum durch die Bodenschätze ist im Land geblieben – allerdings sehr ungleich verteilt.

Trotz der langen Öl-Tradition und der gewaltigen Einnahmen profitiert der Großteil der Bevölkerung kaum davon. Außerhalb von Baku wird kaum Geld investiert. Die Straßen sind schlecht, die Menschen arm und Stromausfälle gehören zum Alltag. Ein Aserbaidschaner verdient typischerweise gerade mal 400 Euro im Monat. Dies sieht man alles aber erst, wenn man nachforscht und genauer hinsieht.

Und so fällt beim genaueren Hinsehen auch auf, dass es nur auf den ersten Blick extrem glamourös, sauber und futuristisch wirkt. Doch je mehr Zeit man in der Stadt verbringt, desto klarer wird: Vieles hier ist mehr Schein als Sein.

Sobald man etwas genauer hinschaut, bröckelt die schicke Fassade:
Das Kaspische Meer entlang der Promenade ist massiv verschmutzt, oft sieht man einen deutlicher Ölfilm auf der Oberfläche schimmern. Und während oben Prachtbauten stehen, wirken die Metros im Untergrund völlig veraltet und aus der Zeit gefallen. Selbst die berühmten Flame Towers, die als glänzendes Aushängeschild der Moderne gelten, stehen zu großen Teilen schlichtweg leer. Genau wie andere hochmoderne, architektonisch spektakuläre Einkaufszentren und Luxusboutiquen. Die Preise dort sind für normale Einheimische unbezahlbar, sodass diese Bauten primär als visuelle Kulisse für Wohlstand dienen.

Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt oder wenn man die Hauptverkehrsachsen verlässt, fällt auf: Entlang der großen Straßen wurden hohe, schön gestaltete Steinmauern oder restaurierte Fassaden errichtet. Sie dienen oft schlicht als Sichtschutz, um die dahinter liegenden, einfachen und teils baufälligen Wohnviertel der normalen Bevölkerung vor den Blicken der Besucher zu verbergen.

Baku ist eine der drei Städte weltweit in der eine Formel 1 Strecke mitten durch die Stadt verläuft. Was im ersten Moment spannend klingt, ist für die Bewohner einfach nur nervig. Zwei Monate vor dem Rennen werden überall Zäune aufgestellt, Straßen gesperrt und Vorbereitungen getroffen die das Leben in der Stadt einschränken. Das Rennen selbst ist schrecklich laut und danach dauert es nochmal einen Monat bis alles wieder abgebaut ist. Für alle die dort leben eine nervige Zeit. Und dabei sind Aserbaidschaner nicht mal große F1 fans.

Baku ist faszinierend, beeindruckend und modern – aber eben auch eine Kulisse, hinter der sich eine ganz andere Realität verbirgt.

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Unser Fazit

Den allerersten glänzenden Eindruck konnte die Stadt auf die Dauer zwar nicht ganz aufrecht erhalten, denn bei genauerer Betrachtung ist eben doch nicht alles so glamourös, wie es scheint. Auch die Händler in den touristischen Ecken fanden wir phasenweise ziemlich nervig und aufdringlich – kaum hat man einen Shop betreten, wurde man direkt bedrängt, jetzt doch bitte auch etwas zu kaufen.
Trotzdem hat uns Baku extrem gut gefallen und die Stadt ist definitiv eine Reise wert. Der Mix aus historisch und modern ist faszinierend, und die vielen gepflegten Parks, Grünanlagen und Blumenbeete verleihen der Metropole einen entspannten Flair. An jeder Ecke wartet ein neues architektonisches Highlight, und die unzähligen Cafés und Restaurants laden wunderbar zum Verweilen ein.

Falls ihr also mal Lust auf einen etwas anderen Städtetrip jenseits von Rom oder Lissabon habt: Baku können wir euch auf jeden Fall empfehlen. Nur Angst vor Katzen solltet ihr keine haben – denn von denen wimmelt es in dieser Stadt wirklich an jeder Ecke!

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